Krankenwagenfahrer

Berichte meiner Arbeit
 
 

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RTW - Tagdienst

NF,  8:20 Uhr
Gemeldet war "blutverschmierte Person liegt auf der Straße". Bei unserem Eintreffen war bereits ein Streifenwagen vor Ort und ein junger Mann, etwa 25 Jahre alt, stand bei den Polizisten. Er hatte ein paar Kratzer im Gesicht. Die Polizei meldet, dass er wohl der Beifahrer eines vor 2 Stunden verunglückten PKW (nach der Disco, es ist Sonntag morgen) gewesen sei. Er wurde nun in einem Wohngebiet aufgefunden. Dort suchte er nach Hilfe. An den Unfall konnte er sich nicht erinnern, was er die letzten 2 Stunden gemacht hatte wusste er auch nicht. Hatte auch noch ordentlich einen im Tee. Die körperliche Untersuchung ergab keine feststellbaren Verletzungen außer den Kratzern. Wir brachten ihn ins Krankenhaus.
NF, 10:40 Uhr
Ein 60-Jähriger hatte seit gestern keinen Stuhlgang (sonst immer regelmäßig!) und ihm war seit 2 Wochen schwindelig. Mit dem Schwindel war er bereits mehrfach beim Hausarzt und vor 3 Tagen im Krankenhaus. Ohne Ergebnis. Den genauen Grund habe ich nicht verstanden, auf jeden Fall wollte er wieder ins Krankenhaus damit heute ein Grund gefunden wird. Zu Befehl, der Herr. Setzen Sie sich. Nach Check der Vitalfunktionen (alles unauffällig) ging die Reise los.
NF, 12:10 Uhr
Der Ehemann einer Pastorin leidet seit 2 Jahren an Depressionen und Suizidgedanken. Heute hat er wieder an den Bahnschienen herum gestanden. Die Ehefrau bestand auf eine Einweisung ins Krankenhaus um dann von dort weiter in die Psychatrie zu kommen. Der Ehemann hatte nix dagegen und somit nahmen wir ihn, per blauem Stuhl, mit. O-Ton der Pastorin: „Nehmt den bloß mit. Der soll sich nicht melden. Wenn er ne Zahnbürste braucht soll er sich die selber kaufen.“ Sie könne und wolle nicht mehr...
NFNA, 13:20 Uhr
Ein gemeldeter Herzinfarkt. Das NEF ist bereits vor Ort. Auf dem Sofa ein Herr mittleren Alters. Schweißgebadet, zu hoher Blutdruck und starken Schmerzen zwischen den Schultern seit 20 Minuten. Er wollte eigentlich abwarten, seine "böse" Ehefrau hat aber einfach den Rettungsdienst gerufen. Gut so, denn das EKG zeigt einen frischen Hinterwandinfarkt. Es gibt nen Zugang, diverse Medikamente und dann geht`s ab in den RTW. Voranmeldung im Krankenhaus mit Bereitmachnug vom HKL (Herzkatheterlabor) zum sofortigen Eingriff. Nach einer Minute Fahrt wird der Herr bewusstlos und bekommt Kammerflimmern (Herz-Kreislauf-Stillstand). Sogleich wird das Fahrzeug gestoppt, Defipads werden auf den Brustkorb geklebt und die Rhythmusstörung vom Herzen wird einmal defibrilliert. Erfolgreich, sofort schlägt das Herz wieder. Nach 5 Sekunden schlägt er die Augen wieder auf. Er erzählt was von einem bösen Traum und will wissen was los ist. Nach kurzer Aufklärung "Der Kreislauf hat kurz schlapp gemacht" (ja, sehr schlapp sogar!) geht´s komplikationslos weiter ins Krankenhaus. Hätte die Ehefrau nicht angerufen wäre er wohl tot. Mal ein Notfall und mal aktiv ein Leben gerettet. Passiert nicht oft. Prima! Ich erstelle mal ne Rea- und ne Leben-gerettet-Statistik.
NF, 15:00 Uhr
Eine ältere Dame ist im Bad gestürzt. Nun hat sie Schmerzen in der Hüfte und eine Beule am Hinterkopf. Leider sieht man schon vor Ort, dass die Dame sich eine Schenkelhalsfraktur zugezogen hat. Das eine Bein ist nach außen verdreht und kürzer als das andere... Die Patientin wurde von uns immobilisiert und ins Krankenhaus gebracht. Gute Besserung!
NF, 16:10 Uhr
In einer Wohnung in der Innenstadt hat ein junger Mann (etwa 45 Jahre) das Gefühl der Luftnot seit einigen Tagen. Nun will er doch mal ins Krankenhaus zum "Durchchecken". Messwerte sind soweit unauffällig. Abfahrt. Ist ja nur nen Kilometer...
NF, 18:10 Uhr
Ein Herr ist beim Fussball mit dem Fuß umgeknickt und hat sich dabei wohl das Sprungelenk gebrochen. Schiene drum, ab ins Krankenhaus. Schnelle Nummer.
Feierabend.

1.5.15 07:16, kommentieren

A wie Ausbildung

Heute ist wieder eine Ausbildungswoche und ich bin dabei um unsere neuen Beatmungsgeräte zu erklären. Danach habe ich noch ein wenig Kleinkram auf der Wache organisiert wie Werkstatttermine. Ein netter Tag. Ohne die Ausbildungswoche hätte ich Nachtdienst gehabt..

1.5.15 14:12, kommentieren

Nachtdienst - RTW

Wir starten um 19:00 mit einem sogenannten "NF".

Eine Dame, etwa 40 Jahre, Bewohnerin einer Wohnanlage für Behinderte leidet seit einem halben Jahr an einer Lungenentzündung. Jetzt hat sie so dolle Husten dass sie ins Krankenhaus muss weil sie nichts mehr trinken kann. Da wir die Liege schon dabei hatten durfte sie sich hinlegen. Wir wurden mit viel Begeisterung in der Notfallaufnahme empfangen...

Gleich danach um 19:55 geht es weiter mit dem nächsten "NF". Interessanterweise kennt unser Navi die Adresse schon bei der Eingabe. Also war schon mal jemand da in der letzten Zeit. Mal im DME in den alten Meldungen geblättert und siehe da: in der Nacht hat es dort gebrannt und unser Wagen war da. Als wir beim Haus (steht in sozial „netter“ Gegend) ankommen halten auch gerade 2 Streifenwagen vor der Tür. Nach kurzer Rückfrage warum die nun auch zu Schwangeren kommen stellte sich heraus dass die wohl wegen dem Freund der Dame und dem Feuer da waren. Da hat wohl jemand in der Garage gezündelt… Also, zur Schwangeren. Sie ist in der 11. Schwangerschaftswoche, leidet an Morgenübelkeit, war deswegen jetzt auf dem Klo, späte Morgenübelkeit, und hat jetzt dolle Magenkrämpfe. Zur Abklärung wollte sie nun unbedingt mal ins Krankenhaus. Aha, da ist der blaue Stuhl und los geht´s. Wie vermutet waren die Vitalwerte ohne auffälligen Befund.

NF, 22:00 Uhr

In einem Pflegeheim am Rand des Landkreises ist eine Dame gestürzt, hat dabei eine Türkante mit dem Kopf erwischt und hat nun eine ordentliche Kopfplatzwunde. Sie nimmt blutverdünnende Medikamente und bei unseren Untersuchungen fängt es gleich wieder an zu bluten. Kopfverband, liegend zum Nähen und Röntgen ins Krankenhaus.

NF, 23:50 Uhr

Ein junger Mann hat schon geschlafen, ist dann aufgewacht und hat Angstzustände bekommen (kennt er schon) und hat dann angefangen zu hyperventilieren. Nu ist es schon besser, aber zur Abklärung möchte er gerne mal ins Krankenhaus. Blauer Stuhl, wir kommen!

NF, 2:40 Uhr

Am Tage ist eine Dame mit einem elektrischen Rollstuhl mit genau diesem in der Wohnung gegen eine Wand gefahren und hat dabei ihren Fuß gequetscht. Jetzt hat sie Schmerzen. Es wurde der Bereitschaftsarzt angerufen. Dieser diagnostizierte eine Fußprellung. Da diese Fußprellung lebensbedrohlich war rief er sofort einen Rettungswagen um den Fuß röntgen zu lassen. Somit durfte sich die Dame aus dem Bett quälen (hatte ein wenig Übergewicht), sich auf unseren kleinen Tragestuhl setzen, im Schlafanzug (das reicht sagt sie) per Fahrstuhl ins Erdgeschoß, dort umständlich auf die Liege rauf, rein in den Rettungswagen, ab ins Krankenhaus. Dort runter von unsere Liege quälen und rauf auf die Krankenhausliege. Der Ehemann fuhr mit dem eigenen Wagen hinterher. Hat vorher den schweren elektrischen Rollstuhl umständlich ins Auto geladen für den Rückweg. Ach ja, nach dem Röntgen ist der Fuß ja wieder heile und man kann im eigenen Wagen sitzen. Vor dem Röntgen bringt das wohl Unglück…

Wäre es mein Fuß hätte ich es wohl so gemacht:

Ich stoße mir den Fuß. Nachts tut er mir weh. Ich kann auf ihm stehen und gehen, er steht weder in einem ungewöhnlichen Winkel ab, noch ist er großartig geschwollen oder blau verfärbt. „Wird wohl nicht gleich abfallen“ denke ich dann wohl. Ich nehme also Schmerzmittel, kühle den Fuß und schlafe bis morgen früh. Dann ziehe ich mich an, rutsche vom Bett (wie jeden Morgen) aus in meinen bequemen Rollstuhl, und fahre mit dem Fahrstuhl nach unten. 6 Häuser neben meinem Haus hat ja ein Chirurg seine Praxis. Da fahre ich mit meinem elektrischen Rollstuhl hin und lassen den Doc mal meinen Fuß untersuchen und röntgen. Danach fahre ich wieder nach Hause. Fertig.

Aber Rettungwagen-fahren ist ja auch toll!

Danke für diese sinnbefreiten Fahrten…

2.5.15 07:22, kommentieren